Verkehrsplaner sehen Rot

Ein Weg fürs Fahrrad ist weit mehr als nur ein paar Piktogramme auf der Autospur
in der City. Belag, Farbe – nichts ist egal!

Radweg-Belag 01
Radweg-Belag 01

Ein Schild aufgestellt, fertig ist die Fahrradstraße? So einfach ist es heute nicht mehr, zumindest nicht in einer fahrradfreundlichen Stadt wie Münster. Und die hat immerhin beim diesjährigen „Deutschen Fahrradpreis“ den zweiten Platz belegt, für „Fahrradstraßen nach neuen Qualitätsstandards“. Dazu gehört neben zwischen vier und fünf Meter breiten „Fahrgassen“ auch ein besonderer Belag, der durch seine rote Farbe verdeutlicht: Das Auto ist hier nur zu Gast. Die Fahrradstraßen 2.0, wie Münster das Konzept auch nennt, sollen alle dieselbe rote Farbe bekommen. „Wir wollten ein Zeichen setzen“, sagt Alexander Buttgereit, Abteilungsleiter im Amt für Mobilität und Tiefbau in Münster. Aber kann eine Stadt einfach die Farben des Asphalts ändern? „Rechtlich kompliziert ist eine solche Veränderung für eine Stadt nicht, denn die Farbe ist – anders als die Beschilderung – vom Gesetz gar nicht vorgeschrieben“, erklärt der Abteilungsleiter.
Die Farbe Rot ist übrigens nicht die einzige Besonderheit: In Münster arbeitet man mit eigens für die Radinfrastruktur entwickelten Belagsmaterialien.
Sie sollen das Radeln sicherer und komfortabler machen. In vielen Städten wird für den roten Fahrstreifen sogenanntes Kaltplastik oder schlicht eine etwas strapazierfähigere Farbe verwendet. „In Münster haben wir dagegen eine Anstreuung“, sagt ein Sprecher von Röhrig Granit, der Firma, die für den neuen Belag der Fahrradstraße zuständig ist. Zunächst wird der bereits vorhandene Asphalt kugelgestrahlt, was ihn gleichmäßig eben macht. „Dann wird das Epoxidharz aufgegossen, und parallel wird unser rot eingefärbter Granit mit einer Korngröße von 1 bis 2 Millimetern in das Epoxidharz eingestreut.“
Zwischen 5 und 15 Kilogramm Granulat kommen auf einen Quadratmeter Harz. Das Gute dabei: Für etwa 800 Meter Fahrradstraße brauchte die Firma gerade mal rund anderthalb Tage. Röhrig Granit: „Die Mischung härtet in weniger als einem Tag aus. Der Belag bleibt dann auch bei Nässe rutschfest.“ Durch die kleine Korngröße des Granits ist der Rollwiderstand geringer, als man es von normalem Asphalt kennt. Und wegen der vorherigen Kugelstrahlung, also einer Art „Abschleifen“ der Straßenoberfläche, rollt das Rad auf dem Belag mit der Bezeichnung Granocoat Rubin auch noch sehr komfortabel.

ROT = GEFAHR, GRÜN = SICHERHEIT

Aber muss ein Radweg wirklich unbedingt rot sein? In anderen Städten steht genau das zur Debatte. Das Bündnis Radentscheid München fordert zum Beispiel rote Fahrradwege vor allem an gefährlichen Stellen wie Kreuzungen. Sie übernimmt eine Forderung von FixMyBerlin, einer Berliner Initiative, die die Auswirkungen von Radwegfarben hat untersuchen lassen. Grundsätzlich, so kam die Studie zum Schluss, sollten Radwege grün sein. Grün bringe am meisten Vorteile:
Es würde sich – wichtig für den Autofahrer – kontrastreich vom schwarzgrauen Asphalt abheben. Außerdem gibt es dem Radfahrer ein Gefühl von Sicherheit auf dem Radweg, und Autofahrer parken seltener auf den Radwegen. 2023 wird der Abschlussbericht zur Neugestaltung erscheinen. Dann zeigt sich, ob die grüne Färbung so robust ist wie das klassische Rot.
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WENN RADWEGE EINFACH AUFPOPPEN

Klar kann das alles auch einfacher und schneller gehen – zumindest vorübergehend. Wie die Pop-up-Radwege, die während des ersten Corona-Lockdowns in Berlin und vielen anderen Großstädten spontan angelegt wurden. Dazu pinselte man in breiten Straßen gelbe Radsymbole auf die rechte Fahrspur, eine Begrenzungslinie wurde gezogen und meist Warnbaken entlang der Linien aufgestellt, fertig. Auf der IAA Mobility in München gibt’s ja, wie ab Seite 18 erzählt, eine „Blue Lane“, also eine blaue Umweltspur von der Münchner Innenstadt zum Messegelände, auf der nur umweltfreundliche Fahrzeuge fahren dürfen.
Die Spur bleibt aber ohne Farbe!

Sollten Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an das Team von RÖHRIGgranit!

Kontaktdaten:
Info‍(‌at‌)‍roehrig-granit.de
Tel. 06252/7009-0

(Auszug aus dem Magazin Focus EBIKE ; Ausgabe August 2021)

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