Hinweise für die sichere Aufstellung von Umlaufsperren (Drängelgitter) und Pfosten

Gefährliche Hindernisse: Umlaufsperren und Pfosten auf Radwegen

Immer wieder ein Ärgerniss für Radfahrer stellen die sog. Umlaufsperren, auch Schikane oder Drängelgitter genannt, dar. Dass diese nicht nur ärgerlich, sondern häufig sogar gefährlich sind und zudem unzulässig, wird im folgenden Artikel erläutert.

Umlaufsperren wurden auf Radwegen oder kombinierten Fuß-/Radwegen meist errichtet, um Radfahrer vor Kreuzungen zum Absteigen zu zwingen und so angeblich die Verkehrssicherheit zu erhöhen, oder um auf dem Weg verbotene Verkehrsmittel fernzuhalten.

Widersprüchlichkeiten in der Praxis und der Rechtslage:

Ein immer wieder von Behördenvertretern vorgebrachtes Argument für Umlaufsperren sind schwere Unfälle an den entsprechenden Stellen. Meist ist dabei ein einziger Unfall, z.B. mit Todesfolge, ausreichend. Übersehen wird dabei leider, dass nach Bau einer Umlaufsperre die Zahl der Unfälle drastisch ansteigt, allerdings wird kaum einer dieser Unfälle gemeldet, weil die meisten Radfahrer sich selber die Schuld zuschreiben (Alleinunfall) oder der Unfall nur leichte Folgen hatte. Es ist nicht notwendig, Radfahrer vor Kreuzungen und Gleisquerungen zum Absteigen zu zwingen. Radfahrer sind in der Regel keine Selbstmörder, sie verhalten sich vor gefährlichen Stellen aus eigenem Interesse meist vorsichtig. Ziel kann also nur eine bessere Erkennbarmachung möglicher Gefahren sein.Mit Umlaufsperren wird dieses Ziel aber nicht erreicht.

Im Gegenteil: Die Aufmerksamkeit wird auf die Umlaufsperre statt auf die eigentliche Gefahr gelenkt! Zudem stellen Umlaufsperren eine nicht akzeptable Behinderung für Fußgänger mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer sowie Radfahrer (besonders mit Packtaschen, Kinder- oder Lastenanhängern, Liegeräder oder Tandems) dar. Oft sind Umlaufsperren so dimensioniert, das solche Gespanne gar nicht hindurchpassen können! Besonders ärgerlich ist dies natürlich, wenn man den Radweg an seinem Ende nicht mehr verlassen kann. Abkuppeln des Anhängers, Umtragen der Sperre (ohne Helfer?), oder gar Umkehren ist die häufige Folge, wobei ein Umkehren dann rechtswidrig ist, wenn es sich um einen Einrichtungsradweg handelt. So wird man als Radfahrer zum Verstoß gegen Vorschriften gezwungen! Beispiele Bahnquerungen:


Eine Gruppe von Radlern quert eine zweigleisige Bahnstrecke bei Darmstadt: Im Gefahrenfall ist es nicht möglich die Strecke schnell zu Räumen.
sichere wenn auch aufwendige Lösung: Ersatz der Umlaufsperre durch automatische Schranken.


Umlaufsperre im R9 an der Nebenbahn Worms-Bensheim bei Lorsch: Im Rahmen der Qualitätssicherung der hessischen Fernradwege soll die Durchfahrsbreite des Gitter so verbreitert werden, das Fahrräder mit Anhänger in Zukunft durchgeschoben werden können. Aufgrund des rechtlicher Regeln für Querungen von Bahnlinien kann die Sperre nicht entfernt werden.

Traurig aber war: Im Bild ist unten rechts das Gedenkkreuz an einem hier verunglückten Schüler zu sehen. Er wurde beim Queren der Sperre von Zug erfast. (Die Sperre hat hier die Aufmerksamkeit von der Gefahr abgelenkt.-siehe Text). Fazit: eine sichere Gleisquerung ist nur mit einer Automatikschranke zu erreichen.

Beispiel Einrichtungsradweg: Zwingenberg-Rodau:


Benutzungspflichtiger Einrichtungsradweg in Zwingenberg-Rodau
an der Hauptstrasse Richtung Süden nach Bensheim-Fehlheim:
Das Gitter soll wohl ein Beparken des Weges verhindern. Es ist im Dunkeln aber schlecht zu erkennen, da es nicht in Signalfarben lackiert ist.Die Benutzungpflicht des Radweges ist ebenfalls überflüssig, da die Hauptstrasse hier innerorts nur mit 30 km / h befahren werden darf.


Blick nach Norden in den selben Einrichtungsradweg vom Ortsrand aus: Mit Anhänger nur sehr schwer zu passierendes Drängelgitter auf einem benutzungspflichtigen Einrichtungsradweg. (Blick in Gegenrichtung)

Auch wird völlig vernachlässigt, dass das Passieren der Umlaufsperre häufig wesentlich länger dauert. Dies ist insbesondere dann relevant, wenn dadurch die eigentliche Gefahrenstelle nicht zügig geräumt werden kann, wie dies z.B. bei Bahnübergängen der Fall ist. An Gruppen von Radfahrern, die dann auf einem Bahnübergang stehen, haben die Verantwortlichen wohl nicht gedacht. Dies stellt eine erhebliche Gefährdung dar! Kehrmaschinen und Räumfahrzeuge können Umlaufsperren nicht passieren, so dass der Winterdienst oft ganz unterbleibt und unnötigerweise neue Gefahren entstehen.

Rechtliche Situation: Für den allgemeinen Verkehrsraum gibt es keinerlei zwingende Vorschriften für eine Aufstellung von Umlaufsperren. Im Gegensatz hierzu verbietet § 32 der Straßenverkehrsordnung (StVO) "...Gegenstände auf Straßen zu bringen..., wenn dadurch der Verkehr gefährdet oder erschwert werden kann." Die vorgeschriebene Mindestbreite von benutzungspflichtigen Radwegen beträgt laut Verwaltungsvorschrift (VwV) zur StVO, §2 Absatz 4: mindestens 1,50m für einen Einrichtungsradweg, für einen gemeinsamen Geh- und Radweg innerorts mind. 2,50m, außerorts mind. 2,00m, sowie für einen Zweirichtungsradweg mindestens 2,00m. Ergänzend ist zusätzlich gefordert, dass: "... die Linienführung eindeutig, stetig und sicher ist". Das ist der Fall wenn:".....er (der Radweg) ausreichend breit, befestigt und einschließlich einem Sicherheitsraum frei von Hindernissen beschaffen ist." Umlaufsperren stellen also gleich in mehrfacher Hinsicht einen Verstoß gegen geltendes Recht dar!

Mögliche Maßnahmen:

Bei Wegen mit Gegenverkehr muß ein einzelner Pfosten (alternativ: Schildermasten, ebenfalls mit umlaufender, reflektierender Markierung rot-weiß) als "Fahrbahnteiler" genau in der Mitte stehen (ggf. ergänzt durch zwei weitere Pfosten rechts und links neben dem Weg), niemals 2 Pfosten, die dann genau in den Fahrspuren stehen!

Gefährliche Aufstellung von Pfosten am Radweg Lorsch - Bensheim an der Bahn:
Die Pfosten sind zwar gut Sichtbar (Signalfarbe, Reflextoren und weiße Linie),
sie stehen aber dennoch mitten in den beiden Fahrspuren. Bevor die weisse Linie angebracht wurde, kam es an diesen Pfosten im August 2003 fast zeitgleich zu zwei schweren Alleinunfällen (Zusammenstoß mit je einem Pfosten- beide Unfallbeteiligte wurden erheblich verletzt.)


Sichere Aufstellung von Pfosten am Winkelbach in Bensheim:
In der linken Durchfahrt müßte aber mal das Unkraut entfernt werden.

Noch besser sichtbar als Pfosten- und Mastmarkierungen sind Rundbaken ("Lollies", rot-weiß reflektierendes Rohrstück mit ca. 25 cm Durchmesser). Auch hier ist auf eine genügende lichte Weite zu achten, d. h. der Pfosten- bzw. Mastabstand muß um den Durchmesser des "Lollies" größer ausfallen.


Beispiel für Absicherung einer Gefahrenstelle mit Lollies und Stopschild

Radweg Lorsch-Bensheim im November 2003: Die Forderungen des ADFC wurden erfüllt. Jetzt ist diese Stelle ein Musterbeispiel für die Sichere Aufstellung von Pfosten (bis auf die fehlende weisse Schutzmarkierung beiderseits des Pfostens)